Lex Patriae

Saturday, December 23, 2006

 
Peter Scholl-Latour
Mazedonien

Die Sonne Alexanders

Skopje, im April 1994

Im Juli 1951 hatte ich in der Bahnstation Gevgelija zwischen Jugoslawien und Griechenland auf einer hölzernen Bank des Wartesaals als einziger Passagier übernachten müssen, weil bei Dunkelheit die Grenze zwischen den beiden Teilen Mazedo­niens für jeden Verkehr gesperrt war. Damals ging es nicht um die sagenhafte Sonne oder den Stern von Vergina mit seinen acht, zwölf oder sechzehn Strahlen. Damals stritt man auch nicht darüber, ob der Eroberer Philipp II., dem sich der Athener Demosthenes in seinen Philippika mit soviel Beredtsamkeit und so wenig Erfolg entgegenstellte, ein Angehöriger der helleni­schen Stammesfamilie war oder ein Barbar aus dem Norden, der sich lediglich der griechischen »lingua franca« zu bedienen wußte.
1951 waren die Narben des Bürgerkrieges noch nicht verheilt, der seit Ende des großen Weltkonflikts das Königreich Griechen­land heimgesucht hatte. Mit Hilfe der Briten und vor allem der Amerikaner war es den pro-westlichen Monarchisten in endlosen Gefechten gelungen, die gut organisierten Kommunisten von General Markos, der zu jener Zeit noch die Unterstützung Sta­lins und anfangs auch Titos genoß, in die griechisch-mazedoni­sche Gebirgsprovinz des äußersten Nordens abzudrängen. Der Widerstand der Kommunisten brach erst gänzlich zusammen, als der jugoslawische Diktator sich von Moskau lossagte und dem Kreml zu trotzen wagte. Nach diesem Bruch im Juni 1948 trocknete die Waffenhilfe an General Markos aus, dessen Parti­sanen im Oktober 1949 gezwungen waren, sich nach Norden durchzuschlagen, um dann - vom Kominform vergessen und verraten — eine erbärmliche Exil-Existenz in diversen Ostblock-Staaten zu führen.
Die Nachwirkung dieser frühen, aber entscheidenden Phase des Kalten Krieges, die dem erobernden Stalinismus den Zugang zum Mittelmeer verwehrte, waren im Sommer 1951 noch längst nicht verwischt. Südlich der jugoslawischen Grenze holte die Regierung von Athen zu einer rigorosen Assimilationspolitik jener süd-slawischen Bevölkerungselemente aus, die damals noch einen beachtlichen Prozentsatz der griechisch-mazedoni­schen Einwohner ausmachten. Nördlich von Gevgelija hatte Tito das Gebiet der serbischen Teil-Republik seines jugoslawi­schen Bundesstaates kurzerhand um das Territorium Vardar-Mazedoniens verkleinert, das Belgrad im Balkan-Krieg von 1913 endgültig den Bulgaren entrissen zu haben glaubte. Nun galt es, in der neuen Hauptstadt Skopje ein slawisch-mazedonisches Nationalgefühl zu fördern, das sich gegen die Annexionsver­suche der Serben, der Bulgaren und natürlich auch der Griechen erfolgreich behaupten könnte.
Nichts ist einfach auf dem Balkan, und in Mazedonien schon gar nicht, wo - wie wir bereits erwähnten - ein besonders kunterbuntes Völkergemisch, eine verwirrende »macédoine de fruits«, unter der osmanischen Fuchtel zusammengefügt worden war, bis die Herrschaft des Sultans endgültig im Jahr 1912 unter den Schlägen der zunächst vereint kämpfenden Serben, Bulga­ren, Griechen und Montenegriner zerfiel. Noch ehe der Korea-Krieg im Sommer 1950 die große Ost-West-Konfrontation auf die Spitze trieb, war hier in der mazedonischen Grenzregion eine Schlacht zugunsten der westlichen Allianz entschieden worden, die für die Selbstbehauptung des Abendlandes gegen die immer noch expansive Weltrevolution exemplarischen Charakter be­saß. Gestützt auf jenen Fetzen Papier, auf dem Stalin und Chur­chill in zynischer Beiläufigkeit beim Moskauer Treffen vom Oktober 1944 das Schicksal der Balkan-Völker in grober Auftei­lung zwischen West und Ost hingekritzelt hatten - Griechen­land sollte demnach zu neunzig Prozent der anglo-amerikanischen Einflußzone angehören -, hielt Präsident Truman den Kriegsdrohungen des roten Zaren stand, so wie er fast zur glei­chen Zeit den sowjetischen Imperialismus in Iranisch-Aserbei-dschan und Iranisch-Kurdistan eingedämmt hatte. Heute fällt es schwer, sich in die Atmosphäre extremer Spannung zurückzu­versetzen, als in den Kanzleien und Stäben allen Ernstes mit dem Ausbruch des Dritten Weltkrieges gerechnet wurde, als die ideo­logischen Gegensätze zwischen Kommunismus und Kapitalis­mus in den USA die Hexenjagd des Senators McCarthy und im Ostblock blutige Massenliquidationen auslösten, als ein nuklea­rer und kontinentaler Rüstungswettlauf anlief, der erst mit dem Treffen von Reagan und Gorbatschow in Reykjavik zum Ab­schluß kam.
An dieser Konfrontation der Giganten gemessen, ist die heu­tige Konfliktsituation rund um Mazedonien recht bescheiden. Sie wirkt provinziell, ja geradezu folkloristisch, wenn die ver­storbene griechische Schauspielerin und Sängerin Melina Mer-couri, die unter Papandreou zur Kultusministerin avanciert war, pathetisch ausrief: »Mazedonien ist unsere Seele!« und der Barde Mikis Theodorakis, ein früherer Kommunist, sich in ähnlich lyrischen Ergüssen erging. Unterdessen brüllten zweieinhalb Millionen griechische Demonstranten in Saloniki: »Wir sind die wahren Mazedonier!« Aber diese nationalistische Raserei, die dem europäischen Einigungsprozeß hohnspricht, mutet klein­kariert, ja kindisch an, gemessen an der tödlichen Gewitterstim­mung, deren Nachgrollen ich in jener Nacht des Jahres 1951 in dem Wartesaal - beobachtet von mißtrauischen jugoslawischen Grenzsoldaten - zu vernehmen glaubte. Am folgenden Morgen war ich übrigens ohne weitere Komplikationen mit dem Zug nach Saloniki, dann nach Athen weitergerollt und verließ die wirre Gegend, in der serbische Hajduken oder Tschetniks, bul­garische Komitatschi und griechische Andartes hundert Jahre lang nicht nur den türkischen Fremdherrschern, sondern sich auch gegenseitig die Gurgel durchgeschnitten hatten.
Über die genaue ethnische Zusammensetzung der unabhängi­gen Republik Mazedonien mit ihrer Hauptstadt Skopje, die aus der Erbmasse Jugoslawiens hervorging und im April 1993 Mit­glied der Vereinten Nationen wurde, sollte eigentlich im Juni 1994 in einer international überwachten Volkszählung befunden werden. Es ist nämlich umstritten, wie viele Bürger dieses Staates sich zu der recht künstlich favorisierten slawisch-mazedoni­schen Nationalität bekennen, wie stark der albanische Bevölke­rungsanteil ist, ob sich wirklich noch zwei oder drei Prozent als waschechte Türken bezeichnen und ob es Belgrad gelingt, eine nennenswerte serbische Minorität zu mobilisieren. Bezeichnend für die Verworrenheit der Verhältnisse ist die Tatsache, daß das benachbarte Bulgarien die mazedonische Staatswerdung im Sep­tember 1991 als erste ausländische Regierung - direkt gefolgt von der Türkei - anerkannte, sich jedoch konsequent weigert, die Existenz einer mazedonischen Nation zur Kenntnis zu neh­men. Die Mazedonier seien im Grunde Bulgaren, geschichtlich, kulturell, sogar konfessionell, ist immer noch in national ge­stimmten Kreisen Sofias zu hören, und das mazedonische Idiom unterscheide sich weniger von der bulgarischen Sprache als der sächsische Dialekt vom bayerischen.
Wiederum muß ich an frühere Begegnungen denken. Zu Be­ginn der siebziger Jahre unterhielt ich herzliche kollegiale Bezie­hungen zu einem bulgarischen Journalisten namens Angel, der sich offenbar des aktiven Wohlwollens der damaligen Partei-und Sicherheitsorgane erfreute. Als Fernsehdirektor des West­deutschen Rundfunks war mir daran gelegen, die Filmproduk­tionen der diversen Ostblockstaaten zu nutzen. So hatten wir kurz zuvor die hervorragende tschechische Kindersendung Pan Tau in unser Programm aufgenommen. Ich erinnere mich sehr wohl an die langen Gespräche, die ich mit Angel in dessen kleiner, aber gemütlicher Wohnung im Stadtzentrum von Sofia führte. Es war ein privilegiertes Appartement, denn der Blick vom winzigen Balkon fiel auf das Denkmal zu Ehren Alex­anders II., des russischen »Befreier-Zaren«, der den Bulgaren nach der verlustreichen Schlacht am Schipka-Paß zur Unabhän­gigkeit vom osmanischen Joch verholfen hatte. Daneben erhob sich die gewaltige Kathedrale zu Ehren des russischen National­heiligen Alexander Newski und betonte die intime Verbunden­heit beider slawischer Völker.
Schon zu jener Zeit hatte ich mit Angel intensiv über Mazedo­nien gesprochen, das dreimal - und jedesmal sehr kurz – von Bulgarien annektiert worden war, zuletzt während des Zweiten Weltkrieges. Mein Gesprächspartner hatte sich dort als Jüng­ling in paramilitärischen Pfadfinderlagern aufgehalten. Für die­sen ausgewiesenen Kommunisten stand der bulgarische Cha­rakter Mazedoniens außer Frage, obwohl er persönlich mit der alten großbulgarischen Aufstandsbewegung IMRO, die um die Jahrhundertwende ihre konspirative Tätigkeit gegen Türken, Griechen und Serben aufgenommen hatte, nichts im Sinn hatte. »Diese mazedonische Nationalität ist eine Erfindung Titos«, beteuerte er. »Ich spreche doch aus der eigenen Erfahrung, die ich zwischen Skopje und Ohrid gemacht habe. Während unse­rer kurzen Militärpräsenz haben wir uns dort ethnisch und sprachlich zu Hause gefühlt, und die örtliche Bevölkerung hat sich mit unseren Soldaten verbrüdert.«
Angel stellte melancholische Betrachtungen über die Wan­kelmütigkeit der russischen Balkan-Politik an. Während Alex­ander II. im Frieden von San Stefane noch ein bulgarisches Großreich begünstigt hatte, das bis zur Ägäis und bis zum Ohrid-See reichte, wandten sich seine Nachfolger den Serben zu und unterstützten deren Existenzkampf gegen Österreich-Ungarn. So waren die Bulgaren - bei all ihrer Liebe zum Heili­gen Rußland - stets in die falsche Koalition mit den Mittel­mächten gedrängt worden. Seit der spektakulären Versöhnung zwischen Tito und Chruschtschow, die sich in Belgrad voll­zogen hatte, befürchtete Angel, daß Sofia für die sowjetische Hegemonialmacht wie eh und je zur »quantité négligeable« auf dem Balkan schrumpfe.
Seine Befürchtungen des Jahres 1971, die er freimütig äu­ßerte, sollten sich zwei Jahrzehnte später bestätigen. Das Ruß­land Boris Jelzins und Außenminister Kosyrews bestätigt sich im Konflikt um Bosnien zusehends als Protektor serbischer Großmannssucht, wie unlängst noch durch die Verbrüde­rungsszene zwischen den Patriarchen Alexej II. von Moskau und Pawle von Belgrad demonstriert wurde. Der Kreml ver­nachlässigte hingegen die bulgarischen Brüder, nachdem sie zur Zeit Breschnews und Andropows als mörderische Ausführende des KGB im Ausland mißbraucht worden waren. Was bleibt Sofia heute anderes übrig, als wieder Anschluß an die kraftlose Europäische Union und ihren Wirtschaftsriesen, die Bundesre­publik Deutschland, zu suchen?
Jetzt, im April 1994, sitze ich Kiro Gligorow, dem Präsiden­ten der unabhängigen Republik Madezonien, gegenüber. Der dreiundsiebzigjährige Staatschef macht den Eindruck eines klu­gen und besonnenen Mannes. Er ragt aus der Masse seiner recht plump und bäuerlich gebliebenen Landsleute eindrucksvoll her­aus. In verschiedenen hohen Partei- und Staatsfunktionen unter Tito hat er politische Erfahrung und eine auf dem Balkan seltene Urbanität erworben. Dem trickreichen Serbenführer Milosevic, der nur schweren Herzens auf »Süd-Serbien« verzichtet und seine revisionistischen Pläne gegenüber Skopje bestimmt nicht aufgesteckt hat, ist er mit Entschlossenheit und List entgegenge­treten.
Gligorow empfängt mich in einem geschmackvoll ausgestatte­ten Büro. Über seinem Schreibtisch hängt eine prächtige Ikone des heiligen Kliment von Ohrid, eines Begründers der bulga­risch-orthodoxen Kirche im neunten Jahrhundert. Daneben ist die ominöse Flagge mit der sechzehnstrahligen Sonne von Ver-gina entfaltet. Viel Neues erfahre ich nicht. Mazedonien leidet erheblich unter der griechischen Blockade und den damit ver­bundenen wirtschaftlichen Nachteilen. Die Amerikaner werden auch hier den Ausschlag geben, aber mit Rücksicht auf die griechische Lobby in USA hat Bill Clinton immer noch keinen Botschafter, sondern nur einen Repräsentanten des State De­partment nach Skopje geschickt. Der Pressesprecher des Weißen Hauses, Stephanopoulos, dessen Name für seine Abstammung bürgt, verfüge wohl über viel Einfluß im »Oval Office«, bemerkt Gligorow resigniert lächelnd.
Die wirklichen Probleme Mazedoniens sind jedoch interner und wieder einmal ethnisch-religiöser Natur. Die Volkszählung werde klarstellen, ob der Anteil der Albaner bei fünfundzwanzig Prozent liege, wie Gligorow vermutet, oder bei vierzig Prozent, wie die Albaner behaupten. Davon werde allerdings viel abhän­gen. Jedenfalls verwehrt sich der Staatschef vehement gegen die Schaffung eines bi-nationalen Staates. Den Skipetaren werde volle politische und kulturelle Gleichberechtigung eingeräumt, ihre Partei für den Demokratischen Fortschritt sei mit dreiund-
zwanzig Sitzen im Parlament und mit fünf Ministern im Kabi­nett vertreten, wo ansonsten der Sozialdemokratische Bund den Ausschlag gibt. In der Opposition mache ihm allerdings die VMRO oder IMRO, die immer noch den Namen der großbulga­rischen Untergrundtruppe »Innere Mazedonische Revolutionäre Organisation« trägt, zu schaffen. Sie bekenne sich jetzt zwar eindeutig zur mazedonischen Eigenstaatlichkeit, aber sie verfüge über die größte Abgeordnetenfraktion. Nur ein paar Randele­mente, so meint er, würden weiterhin mit Sofia konspirieren.
Ganz so harmonisch, wie manche Journalisten und Diploma­ten glauben machen wollen, sieht es in Skopje nicht aus. Un­längst spaltete sich eine Fraktion der Albaner-Partei ab, um einen strikt nationalistischen Kurs zu steuern. Dahinter - so vermuten manche Regierungsstellen - ist der Einfluß Tiranas zu spüren. Immerhin hat der albanische Botschafter an den ent­scheidenden Sitzungen der Demokratischen Fortschrittspartei als einflußreicher Ratgeber teilgenommen. Das Gerücht kam auf, eine Miliz von zwanzigtausend bewaffneten Albanern sei im Entstehen. Zweihundert Kalaschnikows chinesischer Fabrika­tion, die aus der Republik von Tirana eingeschmuggelt werden sollten, sind vom mazedonischen Zoll beschlagnahmt worden. Ob der albanische Präsident Berisha hinter diesen Destabilisie-rungsmanövern steht, will Kiro Gligorow nicht beurteilen. Er muß jedoch zugeben, daß seine skipetarischen Landsleute in der Verwaltung, in der Polizei und vor allem im Offizierskorps der kleinen, zehntausend Mann starken Armee Mazedoniens, die über vier alte Panzer und zwei Hubschrauber verfügt, total unterrepräsentiert sind.
Im Präsidentengebäude von Skopje blickt man natürlich voll Sorge auf den benachbarten Kosovo. Wenn dort das große Mor­den zwischen Albanern und Serben anhebe, dann stünde ein neuer Balkan-Krieg mit unabsehbarer Ausweitung bevor. In diesem Punkt stimmt Gligorow mit seinem Amtsbruder Berisha in Tirana voll überein. Schon heute kämen zahlreiche junge Kosovo-Albaner illegal über die Grenze, um sich der Einberu­fung in die rest-jugoslawische Armee zu entziehen, was natürlich auch in Mazedonien die lokalen Spannungen anheize. Im übrigen, so antwortet Gligorow kategorisch, stehe er an der Spitze eines strikt säkularen Staates, und religiösen Fundamentalismus werde er weder von christlicher noch von muslimischer Seite dulden. Als Garantie für die Zukunft bewertet er die Entsen­dung von rund dreihundert amerikanischen Soldaten, die an der Grenze zu Serbien als Beobachter stationiert sind und dem­nächst durch fünfhundert zusätzliche GIs verstärkt würden.
Gerade über diese militärische Absicherung hatte ich mich am Vortag mit dem Oberbefehlshaber der örtlichen Blauhelm­truppe, dem schwedischen Brigadegeneral Trygve Tellefsen, un­terhalten. Dessen nordisches Kontingent ist in einem Territo­rium stationiert, das in der wachsweichen Sprache der Vereinten Nationen als »Former Yugoslavian Republic of Macedonia« bezeichnet wird. Tellefsen ist ein kühler Skandinavier, stark wie ein Bär, der sich über die Wirksamkeit seiner Kontrollen keine Illusionen macht. Mit etwa sechshundertfünfzig Bewaffneten aus vier nordischen Ländern, mit dreiundzwanzig Beobach­tungsposten zu je zehn bis zwanzig Mann, soll er einen Grenz­streifen von etwa hundertvierzig Kilometer Länge überwachen. »Es handelt sich um eine >preventive presence< und wir üben die Funktion eines Stolperdrahtes aus.« Insgesamt sind ihm 1150 Personen unterstellt, etliche Polizisten - darunter zwei Schwei­zer - und ein paar Zollbeamte eingeschlossen. Letztere begnü­gen sich an den offiziellen Übergängen mit dem Zählen von Lastwagen. So wirksam werden also die Sanktionsmaßnahmen der UNO gegen Serbien praktiziert!
Der Schwede rechnet damit, daß seine Truppe demnächst nach Bosnien, in die Gegend von Tuzla verlegt wird und das hiesige Terrain nach und nach den Amerikanern überlassen muß. Die US-Truppe habe sich ohnehin von Anfang an strikt abgesondert und am Flugplatz von Skopje ihr eigenes Quartier eingerichtet. Die GIs, so lautet die durchaus plausible These des Pentagon, würden unter der blauen Flagge der Weltorganisation nur eingesetzt, wenn - wie 1950 in Korea oder 1991 im Golfkrieg - das Kommando eindeutig in amerikanischen Händen liege. So machen sie - hier in Mazedonien oder unlängst in Somalia -»bande à part« und gehorchen nur ihren eigenen Truppenfüh­rern. Jedenfalls käme Washington nicht auf den Gedanken, seine Staatsbürger der Befehlsgewalt eines exotischen Dritte-Welt-
Generals auszuliefern, eine Praxis, die die Befürworter europäi­scher UN-Kontingente im Interesse ihrer eigenen Soldaten und mit Rücksicht auf operative Effizienz beherzigen und nachah­men sollten. Die Amerikaner von Skopje, so heißt es, blicken sogar mit Herablassung auf ihre skandinavischen Partner, die einem US-Major zufolge - seit den Siegeszügen Gustaf Adolfs und Karls XII, - jeden Sinn für kriegerischen Elan verloren hätten.
Im Sommer 1951 war ich noch versucht, die mazedonische Stadt Skopje unter ihrem alten türkischen Namen Üsküb zu bezeichnen. Die niedrigen orientalischen Häuser duckten sich im Schatten der Moscheen. Im Vardar-Tal hatte sich ein Stück Osmanen-Reich erhalten, mit dem die serbischen Monarchisten und sogar die jugoslawischen Kommunisten nur schwer zu Rande kamen. Im Juli 1963 verhalf das schwere Erdbeben, das weite Teile der Stadt verwüstete, der urbanistischen Modernität zum Durchbruch. Seitdem ist Skopje in zwei unterschiedliche Hälften gespalten, eine slawisch-mazedonische und eine alba­nisch-muslimische. Der Vardar-Fluß bildet die approximative Trennungslinie. Rund um die »Straße der jugoslawischen Volks­armee« gruppiert sich ein staatliches Verwaltungs- und Wohn­zentrum. Es ist mit jenen architektonischen Extravaganzen und Verirrungen, wie sie das Tito-Regime nun einmal liebte, ausge­stattet, aber insgesamt hätte die Rekonstruktion viel schlimmer ausfallen können. In der Altstadt, jenseits des Vardars, blieben hingegen der Basar und das Albanerviertel in scheinbarer Ver­schlafenheit erhalten. Es wird weiterhin von den stattlichen Kuppeln einer Vielzahl von Moscheen überragt, deren Minaretts sich fordernd in den Himmel bohren. Die türkischen Paschas und Beys haben hier monumentale Sakralbauten hinterlassen. Die Mustafa-Pascha-Moschee - um nur sie zu erwähnen - läßt sich durchaus mit den wuchtigen Gebetshäusern am Goldenen Hörn vergleichen.
Deshalb tut der Reisende gut daran, das geistige Zentrum des slawischen und christlichen Mazedonien nicht am Vardar-Fluß, sondern am Ohrid-See zu suchen. Man erspare mir die exakte Beschreibung der lieblichen Ortschaft Ohrid, die zwar für den Tourismus ausgebaut, aber bisher durch den Fremdenrummel noch in keiner Weise verunstaltet wurde. An dieser Stelle ballen sich Balkan-Geschichte und Balkan-Religiosität. Am Ufer der idyllischen Wasserfläche, in Sichtweite des Ploke-Gebirges wurde im frühen neunten Jahrhundert im Geiste der byzantini­schen Mönche Kyrill und Method eine liturgische Erneuerung von revolutionärer und weltweiter Bedeutung vollzogen. Der Wettstreit zwischen Rom und Konstantinopel um die Bekeh­rung der slawischen Völker war damals voll entbrannt. Im Auf­trag des byzantinischen Kaisers Michael III. schufen die beiden Missionare das erste slawische, von ihrem Jünger Kliment »ky­rillisch« genannte Alphabet und übersetzten die Evangelien aus dem Griechischen ins Alt-Bulgarische. Auf der Grundlage die­ses mazedonischen Dialekts entwickelte sich jene alt-slawische Kirchensprache und Kultur, die der Gräzisierung standhielt und deren Ausbreitung sich nicht auf den Balkan beschränkte. Sie griff auf die »Kiewer Rus« in der heutigen Ukraine über und prägte schließlich jenes Großfürstentum Moskowien, das sich -nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken - unter Zar Iwan III. als »Drittes Rom« proklamieren sollte.
Die sogenannten »Proto-Bulgaren« des frühen Mittelalters sind übrigens von französischen Slawisten mit den germanischen Franken verglichen worden, die sich etwa zur gleichen Zeit Galliens bemächtigten. Die turanisch-bulgarische Herren­schicht und Militärkaste, die als Eroberer aus Zentral-Asien in den Balkan eingefallen war, ging binnen zwei Jahrhunderten ebenso in der slawisch-byzantinischen Umgebung auf und wurde assimiliert, wie im Abendland die West-Franken durch das numerische und kulturelle Übergewicht ihrer römisch-galli­schen Untertanen christanisiert und latinisiert wurden. Zar Si­meon, dem es gegen den Widerstand des byzantinischen Basileus im zehnten Jahrhundert gelungen war, ein bulgarisches Groß­reich zu schaffen, verlagerte dessen Schwerpunkt nach Ohrid und installierte dort ein von Konstantinopel unabhängiges or­thodoxes Patriarchat. Lange hat diese staatliche und kirchliche Herrlichkeit von Ohrid nicht gedauert. Die Byzantiner zer­schlugen den Bulgaren-Staat, und das Patriarchat von Ohrid wurde auf den Rang einer Metropolie reduziert. Doch die Erin­nerung an diese kulturelle Blüte süd-slawischer Kultur ist im
Unterbewußtsein der Mazedonier und Bulgaren fast ebenso le­bendig geblieben wie die blutige Schlacht auf dem Amselfeld im nationalen Andenken der Serben.
Beim Durchstreifen der steilen Gassen von Ohrid überra­schen mich immer wieder die bescheidenen Ausmaße dieser balkanischen Gotteshäuser. Die Kirchen - aus rotem Backstein errichtet - verschwinden fast unter der Pracht der Baumkronen und des blühenden Flieders. Die Sophienkathedrale war zur Türkenzeit in eine Moschee umgewandelt worden - die osmani-sche Toleranz kannte Grenzen -, und die Wandgemälde hat­ten die Muslime mit Kalk übertüncht. Die Kirche des heiligen Kliment hingegen, des hochgelehrten Jüngers von Kyrill und Method, wird gerade in Erwartung ihrer Neueinweihung als Museum ausgestaltet. Im Halbdunkel zeichnen sich verzückte Heiligengestalten auf strahlend blauem Hintergrund ab.
Man hat mir oft vorgeworfen, den religiösen, mythischen Aspekten der historischen Entwicklung und der zeitgenössi­schen Politik übertriebene Bedeutung auf Kosten jener sozio-ökonomischen Geschichtsinterpretation einzuräumen, die als Nachzügler des Marxismus weiterhin en vogue ist. Aber wie anders als aus konfessioneller Sicht lassen sich die Turbulenzen auf dem Balkan erklären? Bis auf den heutigen Tag wirkt dort das osmanische »Millet«-System nach; Christliche und poten­tiell nationale Minderheiten, die Völker der »Raya« - die wir bereits erwähnten -, wurden nur in dem Maße als »Dhimmi«, als Schutzbefohlene des Sultans, geduldet, wie sie sich als religiöse Gemeinschaft konstituierten. Das geistliche Oberhaupt der je­weiligen Gemeinde - ob Pope, Priester oder Rabbi - galt jeweils auch als berufener weltlicher Repräsentant von Griechisch-Orthodoxen, Armeniern, Katholiken oder Juden. Als letzter exemplarischer Vertreter dieser aus der »Scharia« abgeleiteten Staatsordnung hat in unseren Tagen Erzbischof Makarios von Zypern in seiner Funktion als Ethnarch eine vergleichbare kirch­liche wie politische Autorität ausgeübt.
Nur ein Blinder kann sich in Mazedonien den fortwirkenden religiösen Fakten verschließen. Auf unserer Fahrt von Ohrid nach Skopje durchqueren wir überwiegend albanisches Sied­lungsgebiet. Hier hat die islamische Wiedergeburt mit ähnlicher Dynamik um sich gegriffen wie im türkischen Anatolien. Dut­zende von funkelnagelneuen Moscheen sind aus dem Boden geschossen. Die Kuppeln aus Aluminium leuchten im Abend­licht. Die weißen Minaretts, die jedes Dorf beherrschen, drängen sich wie mahnende Finger an das christlich-slawische Kernge­biet heran. Etwa dreihundertfünfzig neue Moscheen sollen im vergangenen Jahr in West-Mazedonien gebaut worden sein, und in diesem Rhythmus geht es weiter. Hier hat sich der Islam auf den ersten Blick als weit resistenter erwiesen als im Erbland Enver Hodschas. Der Name »Tito« bleibt übrigens in riesigen Lettern an die Felswände gemalt. In Serbien hätte man diese Huldigung längst entfernt. In Mazedonien besteht wohl kein Grund, das Andenken des kommunistischen Erfinders der ma­zedonischen Nationalität mit Haß und Ressentiment auszu­löschen.
Zentrum der albanischen Bevölkerungsgruppe ist die Stadt Tetovo, die wir knapp fünfzig Kilometer vor unserer Einfahrt nach Skopje durchqueren. Tetovo, wo die muslimischen Skipe-taren eine Mehrheit von achtzig Prozent ausmachen, gilt als die zweite Hauptstadt der jungen Republik. An dieser Stelle scheint es, als sei die Osmanen-Zeit stehengeblieben, selbst wenn der frühere türkische Hammam eine Pizzeria beherbergt und die jungen Mädchen oft unverschleiert in engen Jeans mit den Jüng­lingen kokettieren. Auch das ehemalige Derwisch-Kloster der Bektaschi wurde zur Tito-Zeit frivolem Wandel unterzogen. Im großen »Dhikr«-Raum, im Erbauungszentrum dieser »Tekke«, hat man ein Spielkasino mit amerikanischen Slot-Maschinen installiert, und neben der prächtigen Moschee mit den zentral­asiatisch anmutenden Ornamenten hat sich ein Restaurant eta­bliert. Lange dürfte dieser Frevel nicht mehr dauern. Dafür dröhnt der Ruf des Muezzins schon wieder viel zu mächtig über die häßlichen Betonkästen, die auch Tetovo verunstalten.
Vor der Freitagsmoschee von Tetovo sitzen alte, würdige Männer in einsilbige Gespräche oder in stille Kontemplation versenkt. Ihr Beispiel frommer Gottergebenheit macht zuse­hends Schule. Diese »Dschami'« fällt mir besonders wegen ihrer Verspieltheit auf. Die Blumendekoration leuchtet an den Innen­wänden, rund um die Holzsäulen, an der gewölbten Decke so intensiv, farbenfroh, ja frivol, daß die Moschee einem Lust­schlößchen des Rokokos ähnelt. Tatsächlich stammt sie wohl aus jener späten und dekadenten Epoche des Osmanen-Reiches, die als »Tulpenzeit« bezeichnet wird und sich durch künstleri­sche Verfeinerung, ja Verschwendung, aber imperialen Macht­verfall auszeichnete.
Nicht nur zwischen Christen und Muslimen herrscht eine heimliche, aber deutlich spürbare gegenseitige Abneigung. Auch innerhalb der byzantinischen Glaubensgemeinschaft haben alte Spannungen überlebt und werden durch nationale Gegensätze neu angefacht. Der hartnäckige Anspruch des Patriarchen von Konstantinopel, während der endlosen Zeit des türkischen Jochs von den Sultanen und Kalifen als die höchste Instanz, als Inter­essenvertreter und Wortführer aller orthodoxen Glaubensge­meinschaften anerkannt zu werden, und sei es um den Preis willfähriger Unterwerfung, ja schamloser Kollaboration, wirkt verhängnisvoll fort. Der deutsche Botschafter Hans Lothar Steppan hatte mir geraten, den Erzbischof von Skopje, der im Volk bereits als der heimliche neue Patriarch von Ohrid verehrt wird, zu besuchen.
Metropolit Michael mit dem weißen Prophetenbart ist sich seiner Würde voll bewußt. Er empfängt mich väterlich, trägt die weiße Haube der hohen orthodoxen Prälaten und hält einen silbernen Hirtenstab in der Hand. In dieser Diözese geht es sehr viel straffer und disziplinierter zu als im serbischen Patriarchat auf dem Kalemegdan zu Belgrad. Die Zucht der Kleriker mutet beinahe römisch an, und tatsächlich war Michael als einziger orthodoxer Geistlicher der Einladung von Papst Johannes Paul II. zu einem ökumenischen Treffen in Assisi gefolgt.
Er habe es mit der Neugründung des Patriarchats von Ohrid nicht eilig, bemerkt der Erzbischof gleich zu Anfang. Der An­trag sei in Konstantinopel gestellt worden, aber die serbischen Kleriker würden sich mit aller Macht dagegenstemmen. Die Autokephalie der mazedonischen Kirche gegenüber dem Bel­grader Patriarchat sei erst durch eine Verfügung Marschall Titos im Jahr 1967 angeordnet worden und entbehre noch jeder offi­ziellen Anerkennung durch die Russen, die Bulgaren, die Grie­chen und natürlich die Serben. Schließlich sei ja auch das bulgarisehe Patriarchat nach endlosem Widerstand des byzantinischen Phanars erst auf kommunistischen Druck im Jahr 1956 gegrün­det worden. So sei im gesamten süd-slawischen Raum - sogar in Montenegro — ein im Nationalismus wurzelnder Kirchenkon­flikt im Gang, der mit höchst unchristlicher Tücke ausgetragen werde. In mancher Beziehung erinnern die komplizierten kon­fessionellen Verhältnisse an den heillosen Zustand der ukraini­schen Christenheit.
Mit großer Nachsicht spricht Metropolit Michael von diesen unwürdigen Zwistigkeiten ehrgeiziger Geistlicher. Er drückt sich in vorzüglichem Englisch aus, und als ich ihn frage, wo er die Sprache Shakespeares erlernt habe, antwortet er mit einem Lächeln: »Im Gefängnis, wo mich die Kommunisten etliche Jahre eingesperrt hatten, war Muße genug, mit Hilfe eines Lehr­buches ganz autodidaktisch diese Kenntnisse zu erwerben. Zur Bildungserweiterung — auch zur geistlichen Erbauung - ist eine Haftzelle wohl nützlich.« Der heilige Mann ist nicht gut auf die Griechen zu sprechen. Er bestätigt, daß der byzantinische Kle­rus unter den Türken eine systematische Gräzisierung der hohen orthodoxen Hierarchie betrieben und dabei die Unterstützung des Sultans genossen habe. Beim mazedonischen Aufstand, der am Eliastag des Jahres 1903 mit Schwerpunkt in Saloniki sowie Ohrid ausbrach und der das Werk der slawisch orientierten IMRO war, hätten die Griechen sogar den Türken zur Seite gestanden, um diese Abspaltungsbewegung in Blut zu ersticken. »Die Religion wurde hier stets als Instrument der Politik miß­braucht«, beklagt sich der Erzbischof, »und die Politik ist bei uns leider auf fatale Weise durch kirchliche Rivalitäten untermi­niert.«
Was die Türken betrifft, so urteilt er sehr differenziert. Die Eroberung durch die Janitscharen, die schon im ausgehenden Mittelalter stattfand, sei schrecklich und grausam gewesen. In der Folge habe es kluge Sultane und milde Paschas gegeben. In aller Unerbittlichkeit sei der Konflikt zwischen »Osmanli« und »Raya« erst wieder entbrannt, als die Türkei selbst sich im Zeichen des aufflammenden Nationalismus von dem religiös konzipierten System der islamischen »Umma« und der korani­schen Gottesherrschaft abgewandt habe. Mit der Erneuerungsbewegung »Tanzimat« sei diese totale Entfremdung zwischen Muslimen und Christen in eine explosive Phase eingetreten. Damals sei zum erstenmal von Modernität und Säkularismus die Rede gewesen. Nach dem radikalen Umsturz der »Jung-Türken«, die mit ihrer nationalistischen Revolution im Jahr 1908 den Sultan weitgehend entmachteten, seien die Verhältnisse völ­lig unerträglich geworden, obwohl die Mazedonier den türki­schen Erneuerern anfangs Waffenhilfe geleistet hätten. Para­doxerweise habe das Versprechen der Putschisten von Istanbul, das »Millet«-System durch das Nationalitätenprinzip zu erset­zen und allen unterworfenen Völkern Gleichstellung zu gewäh­ren, den Balkan endgültig in Chaos und Krieg gestürzt.
Zum Abschluß und zur Illustration des serbischen »Kirchen-Imperialismus« erzählt Erzbischof Michael ein persönliches Er­lebnis, das in meinen Augen als tragikomische Episode die ganze Absurdität der Situation auf dem Balkan erhellt. »Ich hatte als junger Novize in Belgrad studiert«, beginnt er. »Nach meiner Priesterweihe kehrte ich nach Mazedonien zurück und suchte meinen Bischof auf, der ein in Bosnien geborener Serbe war. Er erkundigte sich nach meinen Absichten. Ich sagte ihm, daß ich am liebsten als Religionslehrer tätig wäre, und stieß damit auf das Unverständnis des Bischofs. >Du bist ein Narr<, sagte mir der Prälat mit einem teuflischen Grinsen, >als Religionslehrer ver­dienst du bestenfalls vierhundert bis sechshundert Dinar. Aber ich habe einen ganz anderen Vorschlag für dich parat, eine Position, in der du fünftausend Dinar im Monat kassieren kannst.<>Du stellst dich als religiöser Berater einem unserer prominenten Politiker zur Verfügung, der aus Belgrad stammt. Dann sorgst du dafür, daß die orthodoxen Christen Mazedoniens sich dem großserbischen Gedanken zu­wenden, daß sie allmählich echte Serben und serbisch-orthodoxe Christen werden.<
Diese unverblümte Bestechung«, fährt Michael fort, »ver­setzte mich in einen unsäglichen Zorn, nicht nur, weil ich mich als Mazedonier fühlte, sondern auch weil ich mich über die sata­nische Pervertierung des christlichen Glaubens empörte. Dicke Schweißtropfen traten mir vor Aufregung auf die Stirn. Ich griff in eine Tasche meiner Soutane, um ein Taschentuch her­auszuholen und mir den Schweiß abzuwischen. Der Bischof mißverstand jedoch meine Geste, und das war bezeichnend für seine Mentalität. Er meinte, ich würde eine Pistole ziehen, stürzte laut schreiend aus dem Zimmer und kam mit einem serbischen Polizeiaufgebot zurück.«
Zum Abschied küßt mich der fromme Greis auf beide Wan­gen und segnet mich. Ich bekreuzige mich nach lateinischer Art.

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